Risikomanagement


Definition, Relevanz und Anwendung

Risikomanagement kann definiert werden als „systematische Anwendung von Managementverfahren und -praktiken, die den Zollbehörden die notwendigen Informationen liefern, um gegen risikobehaftete Warenbewegungen oder Sendungen vorzugehen“. Risikomanagement ist eines der sieben Grundprinzipien der Handelserleichterung.[1]

Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit x Auswirkung

Die Länder setzen z.B. bei der Einfuhr von Waren Risikomanagementsysteme zum Zweck der Sicherheitsrisikoanalyse ein. Risikomanagement umfasst folgende Aspekte:

1Kontext festlegen
(z.B. Export-/Importkontrollen, aber auch Ressourcen, rechtliche Bedingungen, politische Ziele usw.)
2Risiken identifizieren
(z.B. Einnahmen schützen, Verbot von Einschränkungen usw.)
3Risiken analysieren
(d.h. Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Risikos)
4Risiken bewerten und priorisieren
(d.h. Auswirkungen und Folgen eintretender Risiken einschätzen)
5Risiken adressieren
(d.h. mögliche Gegenmaßnahmen durchführen, die dem Grad des Risikos zugeordnet sind)
+Überwachung, Überprüfung, Dokumentation, Kommunikation und Beratung
„Risikomanagement ist unerlässlich, um die richtigen Sendungen zu kontrollieren und gleichzeitig einen reibungslosen Warenfluss des legalen Handels zu gewährleisten.”[2]

In vielen Ländern werden immer noch physische Kontrollen durchgeführt, was zu Verzögerungen an den Grenzen führt. Es lässt Raum für Korruption und informelle Zahlungen. Risikomanagement und risikobasierte Selektion ermöglichen die verstärkte Einteilung von Ressourcen für Hochrisikobereiche. Gleichzeitig wird Zollabfertigung von Sendungen mit geringem Risiko effizienter.

Artikel 7.4 des Abkommens über Handelserleichterungen der Welthandelsorganisation verpflichtet die Mitglieder, „Risikomanagementsysteme für die Zollkontrolle einzuführen und aufrechtzuerhalten“. Die Deutsche Allianz für Handelserleichterungen unterstützt die Implementierung des Abkommens mit konkreten Projekten.

Beim Risikomangement geht es darum, Entscheidungen zu treffen

Ein effektives Risikomanagementsystem braucht Kriterien, um potenzielle Risiken zu bewerten und auf sie zu reagieren. Solche Kriterien können unter anderem Informationen über die Produktklassifizierung, die Händler*in, das Herkunftsland, den Warenwert und/oder die Transportart umfassen. Das System soll Sendungen und Waren mit hohem Risiko erkennen und mit geringerem Risiko automatisch freigeben. Dabei wird dasselbe Sicherheitsniveau beibehalten und gewährleistet.

Schnellere und effektivere Kontrollen

Ein Risikomanagementsystem trägt zur Einhaltung von Vorschriften bei. Der Zeitaufwand von Zollprozessen und die damit verbundenen Kosten werden für alle am Handelsprozess Beteiligten verringert. Dadurch verbessert sich für Unternehmen die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig trägt Risikomanagement zur Bekämpfung von Korruption und illegalem Handel bei.

Vorteile eines Risikomanagementsystems

Erhöht das Compliance-Level der Händler*innen und schafft Anreize, in die Einhaltung der Vorschriften und Integrität zu investieren (z.B. „Authorized Economic Operators“-Programme (AEOs), deutsch: zugelassene Wirtschaftsbeteiligte). AEOs sind Unternehmen mit geringem Risikoprofil, die von erleichterten Import- und Exportprozessen profitieren.

Risiko-basierte Selektion auf der Grundlage von digitaler Informationstechnologie und automatisierten Prozessen ist schneller, konsistenter in der Anwendung und ermöglicht einen genauen Datenvergleich. Behörden vermeiden Risiken und ermöglichen gleichzeitig einen reibungslosen Warenfluss an den Grenzen.

Risikomanagement als Projekt zur Handelserleichterung

Die Projekte der Deutschen Allianz für Handelserleichterungen helfen bei der Entwicklung von Risikomanagementsystemen in den Partnerländern. Sie beraten Regierungen und Behörden vor Ort bei der Auswahl geeigneter Selektionskriterien. Damit der Handel reibungslos abläuft, sollten wenige regulatorische Maßnahmen wie möglich eingreifen. Mit anderen Worten: Die Deutsche Allianz unterstützt die Behörden in ihrem Ziel, ein Gleichgewicht zwischen notwendiger Intervention einerseits und Handelserleichterung andererseits zu erreichen.

Laut der Weltzollorganisation (WZO) ist ein AEO-Programm ein gutes Beispiel für das Gleichgewicht [zwischen sicherem und erleichtertem internationalem Handel], bei dem [AEOs] von ihren Investitionen in gute Sicherheitssysteme und -praktiken profitieren, einschließlich reduzierter risikoorientierter Bewertungen und Kontrollen sowie einer beschleunigten Bearbeitung ihrer Waren.”[3]

Ein erfolgreicher Ansatz für das Risikomanagement sollte in der Organisationskultur der Zollbehörden verankert werden. Dies kann – so die WZO – mehrere Jahre dauern und erfordert ein starkes Engagement auf allen Ebenen. Daher ist es wichtig, Prozesse zur Überprüfung, Bewertung und Berichterstattung zu nutzen. Zu den Hauptgründen gegen die Einführung von Risikomanagementsystemen gehören u.a. fehlende Ressourcen zur landesweiten Umsetzung, kein Engagement anderer Behörden oder ein geringes Level an Integrität.

Von 2019-2021 arbeitete die Deutsche Allianz gemeinsam mit dem Handelsministerium in Indonesien an der Entwicklung eines risiko-basierten Ansatzes für Importmanagement und -dokumentation. Im Rahmen des Projektes wurde ein „Trusted Trader“-Programm pilotiert. Weitere Informationen und Projektergebnisse sind hier zu finden:


[1] Revised Kyoto Convention, Präambel. Siehe WCO (2008), International Convention on the Simplification and Harmonization of Customs Procedures (as amended), Text der Revised Kyoto Convention (Präambel); http://www.wcoomd.org/en/topics/facilitation/instrument-and-tools/conventions/pf_revised_kyoto_conv/kyoto_new/preamble.aspx.

[2] European Commission, Customs Risk management in details, Taxation and Customs; https://ec.europa.eu/taxation_customs/customs-4/customs-risk-management/customs-risk-management-details_en

[3] WCO (2021), The International Survey on Customs Administration (ISOCA). Results of the Inaugural Survey; World Customs Organization and IMF Fiscal Affairs Department; http://www.wcoomd.org/-/media/wco/public/global/pdf/about-us/partners/publications/isoca-twg-report_en.pdf?db=web

Bildquelle: KAMONRAT/Shutterstock.com

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