„Öffentlich-private Partnerschaften […] – ein einzigartiges Instrument im Handelsbereich“


Interview mit Frau Wing Xiaoying Huo, Senior Director in der Abteilung GoTrade/Trade Facilitation von DPDHL, sprachen wir unter anderem über die Relevanz von öffentlich-privaten Partnerschaften.

Original version of this interview is in English.

Die Deutsche Allianz für Handelserleichterungen bündelt die Stärken öffentlicher und privater Partner*innen weltweit, um grenzüberschreitenden Handel schneller und einfacher zu gestalten. Die Grundlage bildet das Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) über Handelserleichterungen (TFA) sowie weitere regionale Handelsabkommen, bspw. die Panafrikanische Freihandelszone. Gemeinsam mit internationalen und lokalen Partner*innen setzt die Deutsche Allianz derzeit rund 20 Projekte in Afrika, Osteuropa, Südostasien, dem Nahen Osten und Lateinamerika um.

Die Deutsche Post DHL Group (DPDHL) ist Mitglied der Deutschen Allianz. In einem Interview mit Frau Wing Xiaoying Huo, Senior Director in der Abteilung GoTrade/Trade Facilitation von DPDHL, sprachen wir unter anderem über die Relevanz von öffentlich-privaten Partnerschaften. Mit ihrem akademischen Hintergrund in Umweltmanagement und Public Policy sowie ihrer beruflichen Laufbahn in der Privatwirtschaft, bringt Frau Huo neue Perspektiven und praktische Erfahrungen in die Entwicklungszusammenarbeit ein.

Frau Huo, wie können öffentlich-private Partnerschaften zu Handelserleichterungen beitragen?

Aus Sicht von DPDHL sind öffentlich-private Partnerschaften ein einzigartiges Instrument im Handelsbereich. Globalen Handel einfacher zu machen ist der Kern unserer Arbeit, unser tägliches Geschäft. Wir arbeiten jeden Tag mit dem Zoll zusammen und sind an allen relevanten Prozessen beteiligt. Die Partnerschaft mit dem öffentlichen Sektor, wie z.B. mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), ermöglicht uns die Wirtschaft und inklusives Wachstum in Partnerländern zu unterstützen. Gleichzeitig sehe ich, dass eine solche Partnerschaft auch für den öffentlichen Sektor relevant ist. Wir haben erlebt, dass öffentliche Partner den Austausch praktischen Know-hows schätzen und dieses Wissen für die Umsetzung und Gestaltung von Projekten nutzen. Wir sind froh darüber, einen Beitrag dazu leisten zu können.

Was kann DPDHL zu diesen Partnerschaften beitragen?

DPDHL hat im Jahr 2020 das globale Programm GoTrade gegründet, welches auf nachhaltigen und inklusiven Handel sowie Wirtschaftswachstum abzielt. Das Programm kombiniert zwei einzigartige Ansätze:

Auf der einen Seite verfügen wir über viel Erfahrung im grenzüberschreitenden Handel und in der Zusammenarbeit mit Grenzbehörden. Wir kennen die unterschiedlichen Prozesse und Vorschriften an Grenzen weltweit. Wir wissen, was gut funktioniert und was nicht. Dieses Fachwissen und die internationalen ‚Best Practices‘ nutzen wir, um die Grenzbehörden bei der Verbesserung von Grenzprozessen zu unterstützen. Das ist eine wichtige Säule unserer Arbeit im GoTrade-Programm.

Auf der anderen Seite schulen wir kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) darin, wie sie vom digitalen Handel profitieren können. Der Aufbau von Kapazitäten für KMUs ist nicht per se Gegenstand des TFA der WTO. Es ist jedoch von Bedeutung, um den Handel für alle zu erleichtern und inklusives Wirtschaftswachstum zu fördern. Wir unterstützen insbesondere kleinere Unternehmen beim Export und in der komplexen Landschaft des globalen Handels und E-Commerce.

Darüber hinaus sensibilisieren wir unser Management, unsere Country Manager, das operative Management und unsere E-Commerce-Manager bei DHL, damit sie das Programm und dessen Potenzial in ihren Ländern und Bereichen bekannt machen können. Derzeit haben wir zusammen mit der GIZ und anderen öffentlichen Partnern über 30 Projekte, die in den verschiedensten Teilen der Welt aktiv sind – mit der Antarktis als Ausnahme natürlich.

Wie sehen solche Projekte aus? Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Für uns bei DPDHL begann diese Art des Engagements mit einem Projekt der Deutschen Allianz in Montenegro. Es ging um TFA Artikel 7.1 und 7.4: die Implementierung eines Vorabanmeldungs- und Risikomanagementsystems für Expresssendungen. Die Deutsche Allianz initiierte dieses Projekt durch ihre bestehenden Beziehungen zum öffentlichen Sektor in Montenegro. Wir als DHL konnten unsere Erfahrung im Handel einbringen und zum Projekt beitragen, indem wir die Herausforderungen aus der Perspektive des Privatsektors hervorgehoben haben. Aufbauend darauf konnten wir Empfehlungen für die Prozesse abgeben. Das Projekt war ein großer Erfolg und brachte das DHL GoTrade-Programm hervor. Anschließend wurde der Projektansatz auch in anderen Ländern verfolgt.

Was waren die wichtigsten Erfolge des gemeinsamen Projekts in Montenegro?

Auf der einen Seite profitierte der öffentliche Sektor durch einen enormen Effizienzgewinn, einer vertrauensbasierten Zusammenarbeit mit dem Privatsektor sowie den Erkenntnissen und Best Practices der erfolgreichen Projektumsetzung. Auf der anderen Seite standen die Projektziele in engem Zusammenhang mit den täglichen Aufgaben von DHL und die Projektergebnisse haben sich auch positiv auf unsere Prozesse ausgewirkt. Nach einer breiteren Implementierung des Projekts könnten weitere Auswirkungen auch in anderen Unternehmen in Montenegro sichtbar werden[1].

Können Sie eine Erfolgsformel für öffentlich-private Partnerschaften beschreiben?

Das Prinzip von Partnerschaften ist überall ähnlich: Es geht darum, Vertrauen aufzubauen, die Ziele des anderen zu verstehen und gemeinsame Ziele zu formulieren, sich auf einen Ansatz zu einigen und die Arbeitsweise der anderen Partei in den eigenen Organisationen verständlich zu machen – damit können wir die Stärken des anderen ergänzen und gemeinsam Dinge bewegen.

Wie werden sich öffentlich-private Partnerschaften im Bereich Handelserleichterungen in Zukunft weiterentwickeln?

Es gibt viele Möglichkeiten für mehr öffentlich-private Partnerschaften im Bereich Handelserleichterungen. Meiner Meinung nach sollten diese nicht nur vom öffentlichen Sektor, sondern auch vom privaten Sektor verfolgt werden. Öffentlich-private Partnerschaften sind von entscheidender Bedeutung, um Erfolge im Bereich Handelserleichterungen zu erzielen. Zumal wir durch digitale Instrumente und gemeinsames Vertrauen zunehmend anders arbeiten.

Außerdem gibt es einen Trend zu Multi-Stakeholder-Partnerschaften im Bereich Handelserleichterungen. Das heißt die Zusammenarbeit des öffentlichen Sektors nicht nur mit einem/einer Vertretenden der Privatwirtschaft, sondern mit mehreren . Dieses einzigartige Arbeitskonzept ermöglicht dem Privatsektor, die eigenen Stärken in den Handelserleichterungsprozess einzubringen. Da DPDHL in diesem Bereich tätig ist, freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit weiteren Partner*innen des Privatsektors.

[1] Ein großer Erfolg des Projekts war, dass die Abfertigungszeit von Expresssendungen innerhalb einer Stunde nach Ankunft deutlich reduziert wurde. Der am meisten geteilte und erwähnte Nutzen des Projekts war der Aufbau und die Aufrechterhaltung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und eines effizienten Datenaustauschs zwischen dem serbischen Zoll und den Expresskurieren (Link zu der Projektbeschreibung).

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